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  • Naturlexikon

Autoren

Die Duftherstellung in "Das Parfum" (Symbolbild)
Die Duftwerkstatt in „Das Parfum" (Symbolbild)
© mgaloseau | Quelle | Lizenz
  • Patrick Süskind 

Patrick Süskind gilt, trotz seines sehr schmalen Gesamtwerks, als einer der erfolgreichsten Schriftsteller und Drehbuchautoren und zählt zu den berühmtesten bayerischen Autoren unserer Zeit. Das Licht der Welt erblickte er am 26. März 1949 in Ambach (Starnberger See) und wuchs in Holzhausen auf. Er studierte von 1968 bis 1974 Geschichte in München und Aix-en-Provence. Schon während dieser Zeit fing er an, Geschichten niederzuschreiben.

Die Uraufführung zu „Der Kontrabass“, ein humorvoll-melancholischer Monolog eines Kontrabassisten über sich selbst, fand 1981 in München statt. Es war in der Spielsaison 1984/85 mit über 500 Aufführungen das am häufigsten gespielte Stück im europäischen Raum.

Sein größter Erfolg

Internationale Beachtung erlangte Süskind mit seinem Roman „Das Parfum“ aus dem Jahr 1985. Der Hauptcharakter Jean-Baptiste Grenouille, geboren im 18. Jahrhundert, hat selbst einen einzigartigen Geruchssinn, aber keinen eigenen Körpergeruch. 

Mit einer Gesamtauflage von über 20 Mio. Exemplaren und Übersetzungen in fast 50 Sprachen gehört es zu den bestverkauften Büchern des 20. Jahrhunderts. Die Filmrechte bekam der befreundete Filmproduzent Bernd Eichinger im Jahr 2001, also lange Zeit nach dem Entstehen des Romans, da sich Süskind lange gegen eine Verfilmung verwehrte. 

Dessen filmische Umsetzung „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“ (Regie: Tom Tykwer) kam 2006 in die Lichtspielhäuser und war an der Kinokasse sehr erfolgreich. Im Sommer 2018 hatte „Das Parfum“ (u.a. mit August Diehl) als Krimi-Serie seine Weltpremiere auf dem Filmfest München. 

2006 erschien mit dem philosophischen Essay „Über Liebe und Tod“ sein bisher letztes belletristisches Werk. 

Süskind war auch selbst an Serien- und Kinodrehbüchern wie „Rossini“ (1997) beteiligt. Diese Werke enthalten teils autobiographische bzw. ironische Anspielungen: So wehrt sich in „Rossini“ ein sehr verschlossener Schriftsteller dagegen, dass man sein Werk verfilmt.

Kein Interesse an der Schickeria: der Familienmensch

Süskind vermeidet öffentliche Auftritte und die Präsenz in den Medien; es existieren nur wenige Bilder von ihm. Verschiedene renommierte Auszeichnungen lehnte er ab. 

Er wird gerne als öffentlichkeitsscheu beschrieben, ist aber möglicherweise nur nicht an falscher Selbstdarstellung und der Schickeria interessiert. Man charakterisiert ihn als Familienmensch; sein Spitzname im Freundes- und Familienkreis ist Petzi (nach dem Bären in der gleichnamigen Comic-Kinderbuchreihe). 

Werke (Belletristik) 

1981 Der Kontrabass
1985 Das Parfum
1987 Die Taube
1991 Die Geschichte von Herrn Sommer
1995 Drei Geschichten
2006 Über Liebe und Tod

Drehbücher (gemeinsam mit Helmut Dietl)

1980 Der ganz normale Wahnsinn (zwei Folgen)
1982 Monaco Franze – Der ewige Stenz
1986 Kir Royal (zwei Folgen)
1997 Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief
2005 Vom Suchen und Finden der Liebe

 

Lena Christ um 1911
Lena Christ um 1911
© Unbekannt | Quelle | Lizenz
  • Lena Christ (1881 - 1920)

Auch fast ein Jahrhundert nach ihrem Tod gehört Lena Christ für viele zu den bekanntesten bayerischen Autorinnen. Man zieht sie gerne heran, wenn es um die ungeschönte und doch humorvolle Darstellung des Lebens der ländlichen Bevölkerung und der Arbeiterklasse geht.

Auch sieht man sie als starke Persönlichkeit an, die früh mit familiärer Ausbeutung und später im Leben mit verschiedenen widrigen Umständen konfrontiert war. Schreiben war für sie ein Anschreiben gegen ihr Leid. Passend ist hier die Bezeichnung der Autorin als „Glückssucherin“. Dies ist der Titel ihrer Biografie, die Gunna Wendt (Trägerin des Schwabinger Kunstpreises) 2012 veröffentlicht hat. 

„Erinnerungen einer Überflüssigen“

Lena Christ wurde am 30. Oktober 1881 im oberbayerischen Glonn (Landkreis Ebersberg) geboren. Mit nur acht Jahren musste sie in der Münchner Wirtschaft der Eltern anstrengend körperlich arbeiten. 1898 ging sie, als eine Art Fluchtversuch, ins Kloster in Ursberg. Anderthalb Jahre später kehrte sie jedoch wieder zurück.   

Kurz danach heiratete sie zum ersten Mal und bekam zwei Kinder. Die Ehe mit dem Buchhalter Anton Leix, der Alkoholiker war, hielt acht Jahre. Die finanziellen Nöte des Ehemanns brachten auch Lena Christ in Schwierigkeiten und so begann sie mit dem Schreiben. Bei dieser Tätigkeit lernte sie den Schriftsteller Ludwig Thoma kennen. 

Dieser unterstütze sie bei ihrem Werk „Erinnerungen einer Überflüssigen“ (1912), in der sie detailliert und mit eingestreuten Dialekt-Passagen ihre Kindheit und Jugend festhielt. Ihren zweiten Ehemann, den Schriftsteller und Archivar Peter Jerusalem (1877-1954), beschreibt man aber als den Entdecker von Lena Christs schriftstellerischem Talent.

Schwankender Erfolg

In den acht Jahren nach den „Erinnerungen einer Überflüssigen“ sollten noch einige weitere Bücher folgen. Nicht all ihre Werke waren ein Erfolg: „Lausdirndlgeschichten" etwa verkaufte sich schlecht, von der Soldaten-Erzählung „Unsere Bayern anno 14“ hingegen gab es bald weitere Auflagen und Bände. König Ludwig III. interessierte sich für die junge Autorin und empfing sie für eine Unterhaltung.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verließ sie ihren zweiten Eheman und begann, bereits an Tuberkulose erkrankt und in finanzielle Schwierigkeiten geraten, mit dem anscheinend laienhaften Fälschen von Bildern. 

Die Furcht vor einer Strafe wird häufig im Zusammenhang mit ihrem Selbstmord genannt: Mit nur 38 Jahren nimmt sie sich mit Zyankali das Leben. Das Gift besorgte ihr letzter Ehegatte, Peter Jerusalem. 

Verfilmungen und Ehrungen

1981 verfilmte der Bayerische Rundfunk den Roman „Die Rumplhanni“ und 1993 „Madame Bäurin“. Bereits 1970 debütierte der spätere Lindenstraßen-Produzent Hans W. Geißendörfer mit der Verfilmung des Lebens der Schriftstellerin „Der Fall Lena Christ“.

In der Ruhmeshalle an der Münchner Theresienwiese steht seit dem Jahr 2000 ein Büste von Lena Christ. In ihrer Geburtsstadt Glonn finden sich u.a. eine Gedenktafel und eine Lena-Christ-Stube im Heimatmuseum.

Werke (Auszug)

1912 Erinnerungen einer Überflüssigen
1913 Lausdirndlgeschichten
1914 Mathias Bichler
1914 Unsere Bayern anno 14. Erster Teil
1915 Unsere Bayern anno 14/15. Zweiter Teil
1915 Unsere Bayern anno 14/15. Dritter Teil
1916 Die Rumplhanni
1919 Bauern
1919 Madam Bäuerin



Marieluise-Fleißer-Statue in Ingolstadt
Marieluise-Fleißer-Statue in Ingolstadt
© Chrisi 1964 | Quelle | Lizenz

  • Marieluise Fleißer (1901 - 1974) 

 „Eine Sensation“ (Thomas Mann über die Schriftstellerin Marieluise Fleißer)

Es war einer der Theaterskandale in der Weimarer Republik: Marieluise Fleißers  „Pioniere in Ingolstadt“, das 1929 in der Inszenierung durch Bertolt Brecht auf die Berliner Bühne kam, sorgte für eine regelrechte Hetzjagd auf die junge Autorin. Vor allem in ihrer Geburtsstadt Ingolstadt sorgten militaristische Stimmen und die rechtsgerichtete Presse dafür, dass sie ihre Heimat verließ.

In dem Stück der 1901 geborenen Autorin treffen Dienstmädchen auf Pioniere, die in Ingolstadt für einen Brückenbau stationiert sind. Diese sexuell aufgeladene Beziehung ist geprägt von Demütigungen und Abhängigkeiten; die Enttäuschungen der Personen spiegeln sich in der realistischen und dialektgefärbten Sprache Fleißers wider.

Man ordnet ihr Opus auch unter dem Begriff „Neue Sachlichkeit“ ein. Diese Epoche bringt man häufig in Verbindung zur Geschichte der Weimarer Republik (1918-1933). Auch der Begriff „Kritisches Volksstück“ fällt im Zusammenhang mit ihrem Werk.

In Berlin

Fleißer, die bisher nur für das Studium der Theaterwissenschaften in München ihre Geburtsstadt verließ, lebte bis 1932 in Berlin und war dort als freie Schriftstellerin tätig. 1931 erschien ihr einziger, biographisch gefärbter Roman „Mehlreisende Frieda Geier“ (1972 überarbeitet unter dem Titel „Eine Zierde für den Verein“, auch als Hörbuch erhältlich). Von Brecht hatte sie sich längst losgesagt.

Anschließend kehrte sie nach Ingolstadt zurück. Sie heiratete Josef Haindl, der einen Tabakwarenladen führte. Bereits während ihrer Berliner Zeit war sie in einer kräftezehrenden Beziehung mit dem Journalisten Hellmut Draws-Tychsen; die bereits bestehende Verlobung mit Haindl löste sie temporär auf. Um sich über Wasser zu halten, half sie in Haindls Geschäft aus. Ihre Schriftstellertätigkeit kam dabei praktisch zum Erliegen. 

1935 traf sie, unter anderem aufgrund von „Pioniere in Ingolstadt“ ein Schreibverbot der Nationalsozialisten, drei Jahre später hatte sie einen Nervenzusammenbruch. Ihr Mann starb 1958, ab dieser Zeit war sie wieder zunehmend als Autorin tätig. 

Wenige Jahre später kam es zu einem Fleißer-Revival, als u.a. die Regisseure Rainer Werner Fassbinder und Peter Stein sie erneut entdeckten und ihren Namen an die Öffentlichkeit trugen. 1971 brachte Fassbinder „Pioniere in Ingolstadt“ auf die Leinwand (zu den Schauspielern gehörten etwa Hanna Schygulla, Walter Sedlmayr und Günther Kaufmann). 

Marieluise Fleißer starb am 2.2.1974 in Ingolstadt. Ihre gesammelten Werke erschienen im berühmten Suhrkamp Verlag. Seit 1981 vergibt die Stadt Ingolstadt den Marieluise-Fleißer-Preis.

Werke (Auswahl)

1923   Meine Zwillingsschwester (später als „Die Dreizehnjährigen“ erschienen)
1925   Die Stunde der Magd
1926   Ein Pfund Orangen
1926   Fegefeuer in Ingolstadt (eigtl. „Die Fußwaschung“)
1927   Die Nachgiebige
1928/1929/1968  Pioniere in Ingolstadt (in drei Fassungen erschienen)
1929   Die möblierte Dame mit dem mitleidigen Herzen
1929   Sportgeist und Zeitkunst. Essays über den modernen Menschentyp.
1963/1972   Eine ganz gewöhnliche Vorhölle
1965   Die im Dunkeln
1966   Der Venusberg
1966   Frühe Begegnung. Erinnerungen an Brecht.
1971   Findelkind und Rebell. Über Jean Genet.
1950   Der starke Stamm, 1. Fassung
1972   Gesammelte Werke, 1. Band
1973   Ich ahnte den Sprengstoff nicht



Lion Feuchtwanger
Lion Feuchtwanger
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  • Lion Feuchtwanger (1884 - 1958)

 Bauen, brauen, sauen“ (Münchens Wahlspruch in dem Roman „Erfolg“)

 

Er gehört wohl zu den berühmtesten bayerischen Exil-Literaten: Lion Feuchtwanger, am 7.7.1884 in München geboren, ist vielen durch den Roman „Jud Süß“ bekannt. Der Autor beschrieb in vielen Werken den aufkommenden Antisemitismus, auch ausgehend von seiner Heimatstadt. 

Den Nationalsozialisten galt er als „Volksverräter“; seine Werke standen auf der Liste der 1933 verbrannten Bücher.

Lebensstationen

Feuchtwanger studierte die Fächer Geschichte, Philosophie sowie Deutsche Philologie und promovierte 1907 über Heinrich Heine. Seine Habilitation hätte er an der Ludwig-Maximilians-Universität als Jude aber nur dann angehen können, wenn er zum Katholizismus übergetreten wäre. 

1925 verlässt Feuchtwanger seine Heimat und zieht nach Berlin (bereits im 16. Jahrhundert erfuhr die jüdische Familie Feuchtwanger Ausgrenzung und musste die mittelfränkische Stadt Feuchtwangen verlassen); Ende des Jahres 1932 hielt er Vorträge in London und den USA. Schon wenige Monate später kam es im Januar 1933 zur „Machtergreifung“. Eine gefahrlose Rückreise Feuchtwangers war nicht mehr möglich. 

So begab sich der Schriftsteller mit seiner Frau Marta (gebürtige Löffler) ins Exil in Südfrankreich. 1936/1937 lebte Feuchtwanger für einige Monat in Moskau; er war schwer enttäuscht von der westlichen Demokratie und wurde sogar von Stalin empfangen (dieses Treffen floss auch in seinen Roman „Moskau“ von 1937 ein).

1940, als der deutsche Westfeldzug begann, kam der Autor in zwei verschiedene Internierungslager, aus denen ihn letztlich amerikanische Konsulats-Angestellte herausschmuggelten.

1941 emigrierte er schließlich gemeinsam mit seiner Ehefrau nach Kalifornien. Für Feuchtwanger war die USA Heimat bis zu seinem Tod 1958; er erkrankte ein Jahr zuvor an Magenkrebs.

„Jud Süß“ und die „Wartesaal-Trilogie“

Es seien exemplarisch nur ein paar Schlüsselwerke Feuchtwangers aufzuzählen, die seine literarische Bedeutung, aber auch die politische Dimension seines Schaffens zum Ausdruck bringen.

Das eingangs erwähnte „Jud Süß“ von 1925 spielt im 19. Jahrhundert und beschreibt Anpassungsprozesse von Juden in Deutschland. Der gleichnamige nationalsozialistische Propagandafilm von 1940 geht höchstwahrscheinlich nicht auf Feuchtwangers Buch, sondern auf die Novelle gleichen Namens von Wilhelm Hauf zurück.

„Erfolg“, ein München-Roman von 1930, erzürnt die Nazis: Das Buch versucht anhand der Geschichte der Verleumdung des liberalen Kunsthistorikers Martin Krügers zu erklären, wie in München die nationalsozialistische Bewegung entstehen konnte. 

Man zählt das Werk gemeinsam mit „Die Geschwister Oppermann“ (1933) und „Exil“ (1940) zu seiner „Wartesaal-Trilogie“ (wohl eine Anspielung auf die Hoffnung, dass die Zeit der Nationalsozialisten bald vorbei sein werde).

2018 veröffentlichte man die Tagebücher des Autors, die aber vor allem überschwänglich Feuchtwangers Liebesleben beschreiben und deswegen im Feuilleton meistens als überflüssig bezeichnet wurden.

Werke (Auswahl)

1923 Die häßliche Herzogin

1925 Jud Süß

1930 Erfolg

1933 Die Geschwister Oppenheim

1937 Moskau

1939 Exil

1943 Die Brüder Lautensack

1955 Die Jüdin von Toledo 

1957 Jefta und seine Tochter