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  • Naturlexikon

Künstler

Adam und Eva (Der Sündenfall), 1504
Adam und Eva (Der Sündenfall), 1504
© Ashley Van Haeften (Fæ) | Quelle | Lizenz
  • Albrecht Dürer


„Was die Schönheit sei, das weiß ich nicht.“

Albrecht Dürer (1471 - 1528) ist nicht nur Nürnbergs ewiges Künstler-Aushängeschild. Auch in der internationalen Kunstgeschichte hat er längst seinen festen Platz als bedeutender und vielfältiger Maler im Wandel von der Spätgotik zur Renaissance gefunden. Seine Werke hängen unter anderem in der Londoner National Gallery, dem Museo de Prado in Madrid und der Alten Pinakothek in München. Sie zeigen nicht nur christlich-religiöse, sondern auch weltliche Motive. 

Dürer prägte die Kunstformen Holzschnitt und Kupferstich nachhaltig und brachte dabei in dem Kupferstich „Melencolia I“ auch seine Beschäftigung mit der Mathematik ein. Zudem gilt er als einer der ersten Künstler, der sich selbst vermarktet und dargestellt hat. 

So zählt zu seinen bekanntesten Werken das „Selbstbildnis im Pelzrock“ (1500). Wenige Jahre danach (1502) entstand eines seiner weiteren berühmten Aquarelle, der Feldhase.


Lebensstationen

Dürers Lebensstationen sollen hier nur kurz angerissen werden: Ab 1484 lies er sich in der Werkstatt seines Vaters (Albrecht Dürer der Ältere) zum Goldschmied ausbilden. Er fertigte erste Selbstporträts an. An die Ausbildung anknüpfend, fängt er an beim Maler und Holzschnitt-Meister Michael Wolgemut zu arbeiten. Seine Selbständigkeit beginnt Dürer 1497, fünf Jahre später hatte er seine eigene Werkstatt in der Nürnberger Altstadt.

Als prägend für Dürers (künstlerisches) Leben sieht man seine drei Reisen an: Zum einen ist das seine Oberrhein-Reise von 1490 bis 1494. Ein Ziel dabei war es, den bedeutenden Kupferstecher Martin Schongauer in Colmar zu besuchen. Dieser verstarb jedoch, bevor Dürer dort ankam. Zurück in Nürnberg heiratetet Dürer Agnes Fray. Sie verewigte er in einigen seiner Werke. Aus der Ehe der beiden kamen keine Kinder hervor. 

1505 brach Dürer zu seiner Italienreise nach Venedig auf; er schwärmte für den venezianischen Renaissance-Maler Giovanni Bellini. Das großformatige Bild „Das Rosenkranzfest“ entstand. Ein gut bezahltes Angebot des Rates von Venedig, in der Stadt sesshaft zu werden, schlug er aus und kehrte 1507 nach Nürnberg zurück.

Die dritte Reise (1520 bis 1521) ging mit seiner Frau in die Niederlande. Diesmal war der Aufenthalt vor allem finanziell motiviert. Dürer musste sich dort um die Fortzahlung seiner Leibrente kümmern: Sein bisheriger Unterstützer, Kaiser Maximilian I., war gestorben und er brauchte von dessen Nachfolger, Karl V., eine erneuerte Zusicherung, dass sein Privileg weitergeführt wird.

Während seines Aufenthalts in den Niederlanden lehnte er ein höher als in Venedig dotiertes Angebot ab, dort zu bleiben, und kam wieder zurück nach Nürnberg.

In seinen letzten Lebensjahren schmückte Dürer unter anderem das Nürnberger Rathaus aus und fertigte mit „Die vier Apostel“ seine letzte große Malerei. Er starb am 6. April 1528 mit 56 Jahren. Sein Grab liegt auf dem St. Johannisfriedhof in Nürnberg.

Dürer-Erinnerungen in Nürnberg (Auswahl)

1840 enthüllte man mit dem Albrecht-Dürer-Denkmal in der Sebalder Altstadt das erste öffentliche Denkmal zu Ehren eines Künstlers.

2003 sorgte der Künstler Ottmar Hörl mit der Installation „Das große Hasenstück“ für Aufsehen. Er befestigte rund 7.000 grüne Dürer-Hasen auf dem Nürnberger Hauptmarkt.  

2012 gab es im Germanischen Nationalmuseum mit „Der Frühe Dürer“ die größte deutsche Ausstellung des Künstlers seit 40 Jahren (1971 feierte man in Nürnberg das Dürer-Jahr zu dessen 500. Geburtstag). Über 280.000 Besucher kamen zu der Schau, teils wurde sogar vor dem Museum kampiert, um die erste Position in der teils sehr langen Warteschlange zu bekommen. Die zu diesem Anlass produzierte Dürer-Playmobil-Figur war überaus erfolgreich und wird auch heute noch verkauft.

Nicht vergessen sollte man natürlich auch das Albrecht-Dürer-Haus in der Altstadt am Tiergärtnertor. In diesem lebte der Künstler ab 1509 beinahe 20 Jahre lang. Das Gebäude nutze man bereits 1828 (300. Todestag Dürers) als Gedenkstätte; heute ist das Bürgerhaus, das den Zweiten Weltkrieg trotz einiger Schäden relativ gut überstanden hat, ein nicht nur für Touristen beliebter Anziehungsort mit Ausstellungen und Führungen. Eine Schauspielerin leitet dabei als Agnes Dürer durch das Haus.


Wolfgang Lenz, Würzburger Totentanz
Wolfgang Lenz, Würzburger Totentanz
© Wolfgang Lenz | Quelle | Lizenz
  • Wolfgang Lenz



„Es gibt ja so viele Möglichkeiten.“



Steinfiguren werden zu Skeletten, Ratten treten in Menschengestalt auf: Den 1925 in Würzburg geborenen Lenz bezeichnet man als Vertreter des sog. „Phantastischen Realismus“. Bei dieser Kunstrichtung treffen surreale Elemente auf die Verarbeitung des Zweiten Weltkriegs.



Zwischen 1943 und 1945 war Wolfgang Lenz im Kriegsdienst bei der Luftwaffe. Anschließend besuchte er für zwei Jahre die Kunst- und Handwerkerschule in Würzburg. 1949 begann er mit dem Studium an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Er wurde dort zum Meisterschüler von Prof. Hermann Kaspar ernannt, der im Nationalsozialismus gestalterisch tätig und mit Albert Speer befreundet war. 



Würzburger Totentanz

In seinen Werken, so etwa in dem sehr bekannten „Würzburger Totentanz“ von 1970, stellte Lenz das Grauen und die Zerstörung des Zweiten Weltkriegs dar. Bei dem Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 wurde die Altstadt beinahe komplett zerstört. Etwa 5.000 Menschen starben.



Von 1959 bis 1971 war Lenz Dozent an der Würzburger Werkkunstschule, danach freischaffender Maler und Grafiker. In seiner Geburtsstadt entwarf er mehrere Bühnenbilder und Kostüme (z.B für Mozarts Don Giovanni), malte über mehrere Jahre ein Wandgemälde im Ratssaal des Rathauses, arbeitete im Spiegelkabinett der Würzburger Residenz und malte den Gartenpavillion des Würzburger Juliusspitals aus. Ende 2019, gut fünf Jahre nach Lenz’ Tod, konnte man verkünden, dass man sein Wandbild im Schwanenhof (Augustinerstraße) aus den 1980ern aufwändig sanieren konnte.

Aber auch überregional war Lenz künstlerisch tätig, wie etwa für das Restaurant des Prinzregententheaters in München oder für die Vertretung der Bayerischen Landesregierung in Berlin. 

Lenz interessierte sich sehr für die italienische Malerei und Architektur und unternahm mehrere Studienreisen dorthin, insbesondere nach Rom. Dort kann man heute im Goethe-Institut seine Grafiken betrachten.


Philipp Melanchthon (von Lucas Cranach dem Älteren)
Philipp Melanchthon (von Lucas Cranach dem Älteren)
© Lucas Cranach der Ältere | Quelle | Lizenz
  • Christian Goller
 


Der niederbayerische Maler Christian Goller (1943-2017) nimmt eine Sonderstellung im Naturlexikon, Bereich Künstler, ein. Bekannt wurde er nämlich nicht durch eigene, sondern vielmehr durch gefälschte Werke alter Meister (mit dem Begriff deckt man vor allem Maler zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert ab). Im Zentrum seiner Fälscher-Tätigkeit stand der Renaissance-Künstler Lucas Cranach der Ältere. Manch einer sprach im Zusammenhang mit Goller von einem der größten Kunstfälscher-Coups des 20. Jahrhunderts.



„Nur ein Imitator“



Goller, geboren in Untergriesbach (nahe Passau), war zunächst als Kirchenmaler und Restaurateur tätig. Beginnend in den 1970er-Jahren, warf man ihm immer wieder vor, Gemälde von Altmeistern gefälscht zu haben. 

Seine gefälschten Werke fanden sogar den Weg in das Cleveland Museum of Art, es ging um eine Matthias-Grünewald-Fälschung. Letztlich wurden die Ermittlungen dazu eingestellt: Goller konnte glaubhaft machen, dass er die Werke damals nur zu einem geringen Preis verkauft habe und er sich nur als Imitator verstehe. Einen Einfluss darauf, was mit den Bildern geschehe, habe er nicht. 



Verhandlung konnte nicht zu Ende gebracht werden

Erst 2014, wenige Jahre vor seinem Tod, kam es zu einem größerem Ermittlungsverfahren gegen Goller und potentielle Mittäter. Es ging um rund 60 Altmeister-Fälschungen, die ihren Weg auf den internationalen Kunstmarkt fanden. Manche wurden für hohe Preise versteigert, manche zog man wieder von Auktionen zurück, da man Zweifel an der Echtheit hatte. 

Die Verhandlung gegen Goller konnte nicht zu Ende gebracht werden: Im Mai 2017 wurde Goller für verhandlungsunfähig erklärt, er war schwer krank. Im November 2017 starb er mit 74 Jahren. 



Verräterische Risse


Auslöser für das (späte) Ermittlungsverfahren war, dass der Heidelberger Kunsthistoriker Michael Hofbauer Goller anzeigte, als er im Jahr 2008 eine Cranach-Fälschung erwarb. Er erkannte sie erst im Nachhinein als solche: Hofbauer führt hier etwa das verräterische Krakelee, also die typischen Risse auf alten Gemälden, an: Diese seien bei Goller eindeutig nachträglich entstanden.

Nach Hofbauers Anzeige ermittelte das LKA. Zwei Jahre später rief er die Forschungsplattform „Cranach Research Institute“ ins Leben, die sich auch dem Thema Fälschungen widmet.

2014 wurde sogar eine offizielle Kopie eines Cranach-Gemäldes, also ein Werk mit Goller als Urheber bei einem Auktionshaus versteigert - allerdings auch nur für 900 Euro. Der Verkauf ist auch soweit legal, solange keine Täuschungsabsicht vorliegt und daraus kein Vorteil entsteht - eine Argumentation, auf die Goller auch oft Bezug nahm.