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  • Naturlexikon

Straußgräser (Agrostis)

Weißes Straußgras
Weißes Straußgras
© Matt Lavin | Quelle | Lizenz

Bei den Straußgräsern handelt es zumeist um mehrjährige, winterharte Süßgräser. Sie bilden kurze Ausläufer und wachsen in Horsten nicht höher als 1 m.
Der Gattungsname Agrostis stammt aus dem Griechischen und bezeichnet  verschiedene Ackergräser der Antike.
Es existieren weltweit an die 220 Arten, wovon in Deutschland 11 vorkommen. Die fünf am häufigsten in Bayern vorkommenden Straußgräser und der eng mit ihnen verwandte Windhalm sollen hier vorgestellt werden.

Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera)

Das Weiße Straußgras, auch Flecht-Straußgras oder Fiorin-Gras genannt, wächst als dichter Rasen 10-40 cm hoch und verbreitet sich über oberirdische Ausläufer. Die frischen Triebe bilden sich an den unteren Knoten der 2-5 knotigen Halme.
Die 10 cm langen und 1-5 mm breiten, blaugrünen Blattspreite erscheinen zunächst eingerollt, bevor sie sich im Alter flach ausbreiten. Das Blatthäutchen ist über 5 mm lang.
An der bis zu 13 cm langen Rispe sitzen in dichten Büscheln die 2-3 mm langen, zugespitzten Ährchen, die jeweils eine Blüte im Juli und August tragen. Etwa eben so lang wie die Ährchen sind die kahlen Hüllspelzen, während die Deckspelzen ein wenig kleiner und die Vorspelzen nochmals um ein Viertel winziger sind.
Das Weiße Straußgras siedelt auf feuchten Wiesen, an Ufern und in Gräben. Dabei bevorzugt es nährstoffreiche, durchfeuchtete und kalkhaltige Lehm- oder Tonböden. Da das Weiße Straußgras sehr belastbar, trittfest und tiefschnittverträglich ist, findet es oft als Haus- oder Sportrasen Verwendung und ist in nahezu jeder Golfrasenmischung enthalten.

Hunds-Straußgras (Agrostis canina)

Das Hunds-Straußgras, auch Sumpf-Straußgras genannt, ist ein mehrjähriges Gras mit langen, oberirdischen Ausläufern. Die 20-50 cm hohen, 3-6 knotigen Halme wachsen aufrecht bis bogig aufsteigend. Die Blattspreiten sind 3-15 cm lang und bis zu 2,5 mm breit. Das Blatthäutchen hat eine Länge von maximal 3 mm.
An der 4-15 cm langen und 5-7 cm breiten Rispe sitzen an verzweigten Ästen die unter 3 mm langen Ährchen, die von Juni bis August eine dunkelviolette oder strohgelbe Blüte tragen. Die Hüllspelzen sind etwa so lang wie die Ährchen, während die begrannten Deckspelzen mit unter 2 mm Länge deutlich kleiner und die Deckspelzen mit unter 0,5 mm winzig sind. Zur Blütezeit ist die Rispe ausgebreitet, ansonsten zusammengezogen. Die Frucht ist nur wenig größer als 1 mm.  
Das Hunds-Straußgras siedelt vornehmlich an Ufern, in Flachmooren, Dünen und Weinbergen. Die Pionierpflanze bevorzugt kalkfreie, schwach saure Torfböden, die gerne auch etwas schlammig sein dürfen.
 
Rotes Straußgras (Agrostis capillaris)

Das Rote Straußgras ist ein formenreiches, ausdauerndes Gras mit kurzen, unterirdischen Ausläufern. Die in Horsten wachsenden Halme erreichen eine Höhe von 30-90 cm. Die 2-4 mm breiten Blattspreite sind flach und kahl. Das Blatthäutchen wird bis zu 2 mm lang.
An der lockeren Rispe, die an trockenen Standorten 2 cm und an feuchten bis zu 15 cm lang ist, stehen 2-3 mm lange Ährchen, die im Juni und Juli jeweils eine rotviolette Blüte tragen. Auf ein Ährchen kommen zwei Hüllspelzen, die das Ährchen einschließen und länger als die meist grannenlosen Deckspelzen sind.
Das Rote Straußgras wird vom Wind bestäubt, wobei der heuschnupfenerregende Pollen nachmittags freigegeben wird. Die lichtkeimenden Spelzfrüchte werden von Juli bis September als Ballonflieger und Regenschwemmlinge vom Wind, bzw. vom Wasser verbreitet.
Am liebsten siedelt das Rote Straußgras auf der Heide und in lichten Wäldern auf sandigen, kalk- und nährstoffarmen Böden.
Vor allem in den Alpen wird die anspruchslose Pflanze als Futter- und Rasengras verwendet.

Felsen-Straußgras (Agrostis rupestris)

Das Felsen-Straußgras ist ein mehrjähriges, in dichten Horsten wachsendes Gras, das sich manchmal über kurze Ausläufer vermehrt.
Die oft knieförmig aufsteigenden Halme erreichen eine Höhe von 5-30 cm. Die mit 1 mm Breite recht dünnen Blattspreite sind graugrün. Das Blatthäutchen ist bis zu 2 mm lang.   
An der lockeren, ausgebreiteten Rispe sitzen 2-3 mm lange Ährchen, die im Juli und August jeweils eine braunviolette Blüte tragen. Die Ährchen sind von je zwei Hüllspelzen umschlossen und die Deckspelzen haben kurze Grannen.  
Das humusliebende Felsen-Straußgras siedelt ausschließlich in den höheren Lagen der Gebirge und dort überwiegend an Hängen und auf Schafweiden. In den Alpen ist es ab 1400 m zu finden.

Alpen-Straußgras
(Agrostis alpina)

Das Alpen-Straußgras ist ähnlich wie das Felsen-Straußgras im Gebirge beheimatet, und zwar ausschließlich in den Alpen. Verwechslungen der beiden Straußgräser können durch eine nähere Betrachtung der Rispenäste vermieden werden: Das Alpen-Straußgras besitzt im Gegensatz zum Felsen-Straußgras raue Rispenäste. Auch siedelt das Alpen-Straußgras eher auf Wiesen und kann bereits ab einer Höhe von 700 m gefunden werden.
Das Alpen-Straußgras gilt als gutes Futtergras für Schafe.

Gemeiner Windhalm
(Apera spica-venti)

Die Gattung Windhalm ist eng mit den Straußgräsern verwandt. Das einzige Unterscheidungskriterium ist eine über den Ährenansatz verlängerte Ährenachse beim Windhalm.  
Der Gemeine Windhalm ist ein büscheliges, einjähriges Gras, das hin und wieder auch überwintert. Die Halme wachsen aufrecht mit eng anliegenden Blattscheiden und erreichen eine Höhe von 30-100 cm. Die flachen, rauen und langspitzigen Blattspreite werden 2-5 mm breit. Das Blatthäutchen ist bis zu 6 mm lang.  
An der lockeren, zierlichen, bis zu 30 cm langen Rispe sitzen 3 mm lange, schmale, grüne oder rötlich-violette Ährchen, die im Juni und Juli jeweils eine Blüte tragen. Die Hüllspelzen sind ungleich lang und die leichten Samen werden vom Wind verbreitet
Der Gemeine Windhalm siedelt am liebsten auf Äckern, an Wegrändern, in Gärten und auf Schuttplätzen in kalkfreien, mineralhaltigem und sandigem Boden. In Wintergetreidefeldern, und da vor allem beim Roggen, gilt er als lästiges Unkraut.