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  • Naturlexikon

Wollgräser (Eriophorum)

Scheiden-Wollgras
Scheiden-Wollgras
© Jörg Hempel | Quelle | Lizenz

Die Wollgräser sind mehrjährige Moorpflanzen und gehören zur Familie der Sauergrasgewächse (Cyperaceae). Ihr Hauptmerkmal sind die weißen oder orangefarbenen Blütenhüllfäden der Früchte, die so genannten Wollschöpfe oder Wattebäusche. Drei Arten, die häufiger in Bayern vorkommen, sollen im Folgenden hier vorgestellt werden.

Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium)

Das Schmalblättrige Wollgras bildet lange Ausläufer, wächst als lockerer Rasen und erreicht eine Wuchshöhe von 30-60 cm. Die graugrünen, aufrecht wachsenden Stängel besitzen wenig aufgeblasene Blattscheiden. Die zunächst dunkelgrünen, später dann rötlichen, 2-6 mm breiten Blattspreiten sind am Rand angeraut und laufen in eine dreikantige Spitze aus. Es werden kurze Blatthäutchen ausgebildet.   
Der Blütenstand besteht aus 3-8 gestielten Ährchen, an denen im April und Mai bis zu 50 zwittrige Blüten sitzen, die vom Wind bestäubt werden.
Die Blütenhüllfäden verlängern sich um bis zu 5 cm lang und umhüllen nach der Blüte die braunen, dreikantigen Schließfrüchte, mit denen sie dann zusammen abfallen, um sich geflügelt über den Wind zu verbreiten.  
Die reine Lichtpflanze siedelt hauptsächlich in Moorgebieten, in Bruchwäldern oder am Rand nährstoffarmer Seen auf nassen bis sandigen, luftarmen und sauren Böden in Höhenlagen von bis zu 1900 m.

Scheiden-Wollgras
(Eriophorum vaginatum)

Das Scheiden-Wollgras bildet keine Ausläufer, wächst als dichter Rasen und erreicht eine Wuchshöhe von 20-60 cm. Die braunroten Blattscheiden an den Stängelblättern erscheinen stark aufgeblasen, was dem Wollgras auch seinen Namen verleiht. Weiterhin besitzt das Scheiden-Wollgras etwa 1 mm breite, borstenförmige, graugrüne Blattspreiten, die bis zu 1 m lang werden können.
Der Zerfall der Blätter trägt stark zur Torfbildung in den Mooren bei.
Der Blütenstand besteht aus einem einzelnen, circa 3 cm langen Ährchen, das von März bis Mai bis zu 100 zwittrige Blüten umfassen kann, die vom Wind bestäubt werden. Die Blütenhüllfäden verlängern sich während der Fruchtreife um bis zu 2,5 cm. Die Schließfrüchte sind dunkelbraun bis schwarz und verbreiten sich über das Wasser und den Wind.
Die Halblichtpflanze siedelt vornehmlich in Regen- und Zwischenmooren und in Bruchwäldern auf sauren, kalk- und nährstoffarmen Böden.
Das Scheiden-Wollgras dient einer Reihe von Schmetterlingen und Zikaden als Nahrung. Zudem wurden die Wollschöpfe früher als Kissenfüllung, Lampendochte und Wundwatte genutzt.

Scheuchzers Wollgras (Eriophorum scheuchzeri)

Scheuchzers Wollgras (nach dem Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer), auch Alpen-Wollgras genannt, verfügt über lange, rotbraune Ausläufer, die wesentlich zur Verlandung beitragen.
Es erreicht eine Wuchshöhe von 10-40 cm.  
Im Gegensatz zu anderen Wollgrasarten blüht es es erst spät von Juni bis September. Zudem wächst es erst ab einer Höhe von 1500 m.
Laut Roter Liste gilt es in Bayern als gefährdet.