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  • Naturlexikon

Auerhuhn (Tetrao urogallus)

Auerhahn
Auerhahn
© Tom Houslay | Quelle | Lizenz
Auerhenne
Auerhenne
© Stefan Berndtsson | Quelle | Lizenz

Ursprünglich bewohnten Auerhühner die borealen Taigawälder und kamen wahrscheinlich nach der letzten Eiszeit zu uns eingewandert. Die scheuen Waldvögel sind in Bayern hauptsächlich in den großflächigen, lichten Nadelmischwäldern der Mittelgebirge und der Alpen vorzufinden.
Zu den Haupt-Verbreitungsgebieten des Auerhuhns zählen: Alpen, Bayerischer Wald, Böhmerwald, Schwarzwald, Vogesen, Jura, Sudeten und Westkarpaten.

In Mitteleuropa sind die Bestände des Auerhuhns überall zurückgegangen und die Lebensräume beschränken sich mittlerweile fast nur noch auf die höheren Mittelgebirgs- und Hochgebirgswälder. Ein Grund für den Rückgang ist zum Beispiel übermäßige Bejagung bis zum 19. Jahrhundert. Heute sind jedoch andere Faktoren, wie klimatische Veränderungen, Intensivierung der Forstwirtschaft, aber auch die Ausbreitung des Tourismus, beispielsweise durch den Bau von Skiliften, für den Rückgang verantwortlich. Sie stehen somit auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands und werden in die „Kategorie 1 - vom Aussterben bedroht“ eingestuft.

Auerhühner bevorzugen ruhige, naturnahe und zusammenhängende Nadel- und Mischwälder mit trockenen bis feuchten Böden. Reine Laubwälder oder geschlossene Waldbestände hingegen werden meist gemieden. Außerdem verfügen Auerhühner über eine Standorttreue, weshalb es wichtig ist, dass Brut- und Aufzuchtsplätze, Balzplätze und Sommer- und Wintereinstände nahe beieinander liegen. Die Möglichkeit zu Sand- und Staubbädern, sowie das Vorkommen von Ameisen und Tränken muss ebenfalls im Lebensraum der Auerhühner gegeben sein. Auerhühner sind optimal an das Leben in Nadelmischwäldern angeglichen, so ermöglichen sie den Hühnern beispielsweise einen guten Überblick und bieten ausreichend Platz zum Fliegen, sowie offene Arenen, die für die Balz genutzt werden. Auf Grund des hohen Raumanspruches der Auerhühner, was unter anderem daran liegt, dass sie sehr störempfindlich sind, benötigt ein einzelnes Auerhuhn innerhalb eines Jahres im Schnitt rund 500 Hektar Platz.

Das Auerhuhn zählt zu den Raufußhühnern und gilt als größter Hühnervogel Europas. Merkmale von Raufußhühnern sind befiederte kräftige Beine, ein kompakter Körper und durch Federn bedeckte Nasenlöcher. Damit zeigen sie ihre besondere Anpassungsfähigkeit an temporäre schneereiche und kalte Biotope. Im Winter sind die Zehen ebenfalls dicht befiedert und wirken so wie Schneeschuhe, die das Einsinken in den Schnee verhindern.
Eine Unterscheidung der Männchen und Weibchen ist deutlich sichtbar. Die Weibchen sind bis zu einem Drittel kleiner als die Hähne. Das Gefieder der Männchen erscheint aus einiger Entfernung fast schwarz, bei genauerer Betrachtung lassen sich jedoch dunkelbraune Federn an den Flügeln erkennen. Außerdem haben die dunklen Federn auf der Bauchunterseite und am Schwanz weiße Flecken. Auffällige Merkmale sind der weiße Schnabel, sowie die über den Augen gelegenen roten, nackten Hautstellen, die als Rosen bezeichnet werden. Jedoch besitzen auch die Weibchen solche sogenannten Rosen, diese sind lediglich geringer ausgebildet, als bei den Männchen. Vor allem zur Balz fällt der schwarze Kehlbart und ein metallisch blau-grünliches Brustschild auf. Die Hennen dagegen sind wesentlich schlichter gefärbt, wodurch eine gute Tarnung in den Wäldern ermöglicht wird. Ihr Gefieder ist in unterschiedlichen Brauntönen, die von rost- bis graubraun reichen, gesprenkelt. Die Unterseite der Auerhuhnweibchen ist rostgelb, außerdem lässt sie sich beispielsweise von der Birkhenne noch durch einen längeren, schwarz-braun gebänderten und nicht gegabelten Schwanz unterscheiden.
Hennen können eine Gesamtlänge von bis zu 65 cm erreichen, die Hähne hingegen können bis zu 90 cm Länge erreichen. Die Flügelspannweite beträgt zwischen 80 und 125 cm. Hierdurch zählt das Auerhuhn zu einer der größten Hühnerarten Mitteleuropas.
Auerhühner können ein Alter von bis zu 12 Jahren erreichen.

Die Ernährung von Auerhühnern ist überwiegend vegetarisch. Die Küken benötigen lediglich in den ersten Wochen Insekten, die für eine eiweißreiche Nahrung wichtig sind. Das Auerhuhn nutzt, wie auch andere Hühnerarten, sogenannte Magensteine, die den Tieren dabei helfen, die ballastreiche Nahrung im Magen zu zerkleinern. Dies ist notwendig, da die Nahrung vor allem im Winter überwiegend aus Nadeln oder Zweigen besteht. Im restlichen Jahr stehen Triebe, Blätter, Knospen, sowie Früchte von Bäumen oder Sträuchern auf dem Speiseplan. Aber auch Gräser oder Kräuter und besonders Heidelbeeren stehen zu deren Reifezeit als beliebte Nahrungsquelle auf der Liste der Auerhühner. Dabei kann ein Auerhuhn bis zu zwei Kilogramm der Vitamin-C reichen Heidelbeeren pro Tag verspeisen.

Beginn der Paarungszeit kann bei milden Spätwintern schon im Februar sein, für gewöhnlich beginnt sie jedoch im März. Die begattungsbereiten Weibchen kommen jedoch erst gegen Ende April oder Anfang Mai zu den Balzplätzen. Nach der Begattung zieht sich das Weibchen zurück und sucht sich einen geeigneten Nistplatz, der sich im mitteleuropäischen Raum fast ausschließlich am Boden befindet. Meist befindet sich der Nistplatz am Fuße einzelner Bäume oder zwischen Wurzeln von Baumstümpfen. Eine Henne legt im Schnitt zwischen 5 und 11 Eier, aus denen nach etwa 24 bis 26 Tagen die Jungen schlüpfen. Für die Brut und Aufzucht der Jungen sind die Hennen alleine verantwortlich. Da die Jungen bereits nach etwa zwei bis drei Monaten ausgewachsen sind, löst sich der Familienverband nach dieser Zeit auf.