Haushund (Canis lupus familiaris)

Denken wir an Hunde, so stellt sich bei uns als Erstes das Bild des Haushundes ein, ein vom Menschen gezähmtes und gezüchtetes Tier, das vornehmlich seinem Besitzer Gehorsam leistet und verschiedene Aufgaben übernimmt, etwa als Jagd- und Wachhund, oder einfach nur als Wegbegleiter, Spielgefährte beziehungsweise Kuscheltier.

Der Hund selbst stammt jedoch vom Wolf ab. Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge liegt die Domestikation zwischen 100 000 und
15.000 Jahre zurück, als sich einige Tiere in die Nähe von menschlichen Ansiedlungen begaben und dort von Abfällen ernährten. Mit dieser zusätzlichen, leicht zugänglichen Nahrung begann also die Sozialisation des Wolfes. Es entstanden im Laufe der Zeit immer zahmere Generationen von Wölfen, bis sich schließlich der Mensch die Fähigkeiten der Wölfe bei der Jagd oder bei der Suche zu nutze machte.

Mehr als 330 Hunderassen
Während einige Hunde heutzutage noch vom Aussehen her den Wölfen ähneln, haben sich im Lauf der Geschichte die unterschiedlichsten Hunderassen regional und nach den Umwelt- und Lebensbedingungen herausgebildet. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI), die größte internationale Dachorganisation von Hundevereinen unterscheidet in ihrer Kategorisierung über 330 Hunderassen. Hierunter befinden sich so gänzlich verschiedene Hundearten wie Dackel, Schäferhunde, Deutsch Draht- oder Kurzhaar, Pudel, Rottweiler, Boxer, Golden- und Labrador Retriever, um nur die hierzulande beliebtesten Vierbeiner aufzuzählen, die deutschlandweit die Fünf-Millionen-Marke schon lange überschritten haben. Damit entfällt bei den meist gehaltenen Haustieren nach der Hauskatze der zweite Rang auf den Hund.

Aufgrund seiner sozialen Anpassungsfähigkeit ist aber wohl der Haushund das mit dem Menschen am vielfältigsten verbundene Tier. So verbringen viele Menschen heute mit ihrem Hund ihre Freizeit und betreiben dabei auch Hundesport. Nicht selten fungieren die Tiere als einzige soziale Beziehung ihres Besitzers. Durch die hierbei häufig auftretende Vermenschlichung der Hunde kommt es oft zu gravierenden Haltungsfehlern, da ihre natürlichen Bedürfnisse mißachtet werden.


Vielfältig einsetzbar
Manche Hunderassen eignen sich als Blindenhunde, oder werden aufgrund ihres ausgezeichneten Geruchssinns eingesetzt, um Rauschmittel oder Sprengstoffe aufzuspüren. Viele Tiere können auch als Rettungshunde ausgebildet werden. Die Nutzung von Hunden als Zugtier des armen Mannes war bis in das 20. Jahrhundert hinein weit verbreitet. Große Hunde sind anatomisch besser zum Ziehen von Karren und Schlitten geeignet als z.B. Pferde. Ein Zughund kann bis zum drei- bis fünffachen seines Körpergewichtes ziehen.

In Jäger- und Sammlerkulturen war es gang und gäbe, dass Hunde in Notzeiten gegessen wurden; spezielle Hunderassen werden heute noch in China zum Verzehr gezüchtet. In Korea gilt der Hundefleisch-Eintopf Poshintang als Spezialität. In Deutschland ist das Schlachten von Hunden seit 1986 verboten. Die gleiche Regelung gilt für die übrige EU. Eine Ausnahme hiervon macht in Europa einzig die Schweiz. Allerdings ist auch dort der Handel mit Hundefleisch verboten.

Bei Hunden gibt es keine Paarungszeit, sondern eine halbjährliche Brunstperiodik. Die Geschlechtsreife wird beim weiblichen Hund durch die erste Läufigkeit gekennzeichnet, die im Alter von sieben bis 14 Monaten auftritt. Rüden erlangen ihre Zeugungsfähigkeit im gleichen Alter. Kleinere Hunde werden meist früher geschlechtsreif als Hunde großer Rassen. Nach dem Deckakt beträgt die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer der Hündin ungefähr neun Wochen, die Anzahl der Welpen pro Wurf schwankt etwa zwischen drei und zwölf Tieren. Die Lebenserwartung liegt in etwa zwischen zehn und 15, in Ausnahmefällen sogar bis zu 20 Jahren.