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  • Naturlexikon

Schaben, Schrecken & Ohrwürmer

Küchenschabe
Gemeine Küchenschabe
© K Schneider | Quelle | Lizenz
Deutsche Schabe
Deutsche Schabe
© treasuresthouhast (David and Jessie)
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Französische Stabschrecke
Französische Stabschrecke
© Ferran Pestaña | Quelle | Lizenz
Ohrwurm
Gemeiner Ohrwurm
© Gilles Gonthier | Quelle | Lizenz
Europäische Gottesanbeterin
Europäische Gottesanbeterin
© Gabriel González (xovesphoto)
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Schaben (Blattodea)

Die Schaben sind in Deutschland mit 6 von weltweit über 4500 zumeist in den Tropen oder Subtropen vorkommenden Arten vertreten. Als die beiden prominentesten Arten hierzulande gelten die Gemeine Küchenschabe (Blatta orientalis), auch als Kakerlake bekannt, und die Deutsche Schabe (Blattella germanica).
Die abgeplatteten Körper können je nach Art eine Länge zwischen
5 und 110 mm erreichen.
Ein Großteil der Schaben sind eher unauffällig braun oder gelb gefärbt, manche Arten verfügen aber auch über leuchtendere Farben und meist ebenfalls über Abwehrgifte.
Weitere Merkmale sind lange Fühler, kauend-beißende Mundwerkzeuge und Anhänge am Hinterleib. Letzteres ermöglicht ihnen neben Erschütterungsorganen in den Beinen die Anzeige von Feinden in der Nähe. Oftmals werden nur bei den Männchen Flügel ausgebildet, insgesamt ist die Flugfähigkeit eher schlecht ausgebildet.
Im Hinterleib sitzen zudem die Duftdrüsen mit dem sich die Geschlechter gegenseitig locken. Während die Männchen am Hinterleib über hakenförmige Anhänge zum Festhalten der Weibchen verfügen, ist bei den Weibchen eine Legeapparat und eine Brutkammer zur Ausbildung und Ablage der Eipakete, die zwischen
20 und 50 Eier enthalten, vorhanden. Diese Anhänge dienen Forschern auch in erster Linie zur Artenbestimmung.
In Deutschland herrscht ein zweijähriger Entwicklungszyklus mit um die 13 Häutungen vor.
Schaben leben überwiegend in Wälder, auf trockenem Rasen oder in menschlicher Behausungen.
Sie gelten als Allesfresser und in größerer Anzahl als Schädlinge.


Fangschrecken (Mantodea)

Die Fangschrecken, auch Gottesanbeterinnen genannt, gehören zu den Fluginsekten (Pterygota). Weltweit gibt es mehr als 2000 Arten, von denen nur eine einzige in Bayern vorkommt: die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa). Sie gilt laut roter Liste als gefährdet.
Die Weibchen erreichen eine Körperlänge von bis 75 mm, während die Männchen mit 60 mm deutlich kleiner sind. Ihre Färbung variiert zwischen grün, braun und schwarz. Der Kopf mit den weit auseinander liegenden Facettenaugen, die ein stereoskopisches Sehen ermöglichen, ist dreieckig und sitzt sehr beweglich an einem längeren Halsschild.
Die Hinterbeine dienen dem Schreiten, die Vorderbeine dagegen zum Fangen, weshalb sie auch mit Dornen zum besseren Festhalten versehen sind. Aufgrund der an den Körper angelegten Fangbeine beim Lauern auf Beute erhielten die Insekten den Namen Gottesanbeterin.
Die Hinterhüften verfügen über ein unpaares Gehörorgan, da es ihnen sogar ermöglicht, Fledermäuse zu orten.
Die Europäische Gottesanbeterin ist ein tagaktiver Lauerjäger und ein Meister der Mimikry. Während sie stundenlang unbeweglich ihrer Beute harrt (sie fängt sogar Fliegen aus der Luft), sieht sie wie ein Zweig aus. Andere Arten sind dagegen Blättern oder Blüten zu Verwechseln ähnlich.
Die Fortpflanzung schließt ein ausgiebiges Balzverhalten ein und es kommt auch immer wieder vor, dass die Männchen während des Akts verspeist werden.  
Die Eiablage erfolgt in großen Eipaketen.


Gespenstschrecken (Phasmatodea)

Die Gespenstschrecken sind pflanzenfressende, vorwiegend nachtaktive Insekten, die auch Stabschrecken und Wandelnde Blätter oder Äste gennant werden. Von den weltweit über 3000 Arten kommen 17 in Europa vor. Nach Bayern verirren sich manchmal die Mittelmeer-Stabschrecke (Bacillus rossius) oder die Französische Stabschrecke (Clonopsis gallica).
Sie erreichen Körperlängen zwischen 15 und über 300 mm.
Der Kopf ist äußerst beweglich und oftmals mit Dornen besetzt, was neben Signalfarben, dem Ausschlagen der Beine und dem Ausbreiten der Flügel der Feindesabschreckung dienen soll.
Einige Arten ändern ihre Farbe des Nachts, um noch besser unerkannt zu bleiben.
Ihr auffälligstes Merkmal ist die kurzen Vorderbrust, daran lassen sie sich gut von anderen Schreckenarten unterscheiden. Innerhalb ihrer Art sind die Eier, die zum Teil wie Pflanzensamen oder Tierkot aussehen, das beste Unterscheidungsmerkmal. Diese werden häufig zur Artenbestimmung herangezogen. Der Embryo entwickelt sich 3-12 Monate im Ei, bevor er schließlich schlüpft.  
Die meisten Gespenstschrecken sind nicht auf Partner bei der Fortpflanzung angewiesen, da sie imstande sind, sich jungfräulich zu vermehren.


Ohrwürmer (Dermaptera)

Die Ohrwürmer gehören zu den wärmeliebenden und eher nachtaktiven Fluginsekten (Pterygota). Ihren Namen erhielten sie in der Antike, da sie in pulverisierter Form gegen Ohrenkrankheiten Verwendung fanden.
Ohrwürmer erreichen eine Körperlänge von 10-65 mm.
Besondere Merkmale sind die harten und verkürzten Vorderflügel und die aufwändig gefalteten Hinterflügel, mit denen allerdings zu fliegen imstande sind. Zudem ist der
paarige Hinterleibsanhang zu einer Zange umgebildet, die bei Männchen gebogen und bei Weibchen gerade erscheint, was den Ohrwürmern im Volksmund auch den Namen Ohrkneifer eingebracht hat. Sie dienen dem Fang von Beute, der Abwehr von Feinden und zur Begattung.
Ohrwürmer gelten als Allesfresser und erweisen sich als nützlich bei Blattlausbefall, können aber auch schädlich sein, wenn sie Blüten und weichere Pflanzenteile fressen.
Sie vermehren sich in der Regel einmal pro Jahr, wobei sie ein ausgiebiges Balzverhalten an den Tag legen. Außerdem kümmern sie sich um den Nachwuchs, der in Rillen von Blättern
oder unter Baumrinden aufwächst.
Archäologischen Funden zufolge existieren die Ohrwürmer seit dem Jura, als seit 200-150 Millionen Jahren.