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  • Naturlexikon

Wildschwein (Sus scrofa)

Wildschweine im Schlamm
Wildschweine im Schlamm
© Marieke IJsendoorn-Kuijpers
Quelle | Lizenz

In Europa jagt man Wildschweine schon seit Urzeiten. Fossilfunde belegen ihre Verbreitung im europäischen Raum seit dem späten Miozän (ca. 6 Mio. Jahre). Knochenfunde kleinerer Schweine lassen auf eine Zähmung und Züchtung zum Hausschwein seit ungefähr 9000 Jahren schließen.

Beim Schwarzwild sind in der Jägersprache die Bezeichnungen Keiler für ein männliches, Bache für ein weibliches Wildschwein sowie Frischling für ein frisch geborenes Jungtier gebräuchlich.

Die Körpergröße von Wildschweinen variiert mit ihrer geographischen Verbreitung. In Mitteleuropa erreichen die Tiere eine Körperlänge von 110 bis 180 cm und bringen durchschnittlich 55 bis 90 kg auf die Waage. Das schwarz- bis graubraune, borstige Fell der Wildschweine besitzt lange Grannen. Die Frischlinge dagegen haben ein hellgelbbraunes Fell mit meist vier bis fünf gelblichen, von den Schulterblättern bis zu den Hinterbeinen reichenden Längsstreifen. Nach drei bis vier Monaten wechseln sie dieses gegen das einfarbig bräunliche Jugendfell. Erst mit dem Wechsel zum Winterfell im Herbst bekommen sie die typische Färbung erwachsener Tiere.

Guter Riecher bei der Nahrungssuche

Wildschweine sind bei ihrer Ernährung nicht besonders wählerisch. Sie durchwühlen einfach den Boden nach essbaren Wurzeln, Würmern, Engerlingen, Mäusen, Schnecken und Pilzen. Ihre gute Nase hilft ihnen dabei. Neben Wasserpflanzen fressen sie auch Blätter, Triebe und Früchte zahlreicher Holzgewächse, Kräuter und Gräser. Auch Aas und Abfälle gehören zu ihrer Nahrung.

Gelegentlich fallen ihnen Eier und Jungvögel bodenbrütender Vögel zum Opfer. Wildschweine sind als Allesfresser äußerst anpassungsfähig, haben aber in ihrer Entwicklungsgeschichte des öfteren hohe Populationsschwankungen durch starke Bejagung erfahren.

In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts waren sie in weiten Teilen Süddeutschlands so gut wie verschwunden, siedelten sich später jedoch wegen des guten Nahrungsangebots durch großflächigen Maisanbau und mehrerer Eichen- und Buchenmastjahre wieder in ihren Ursprungsgebieten an. Derzeit werden allein in Bayern pro Jahr (Stand 2010/11) über 60000 Wildschweine erlegt, um ihre Gesamtanzahl konstant zu halten.

Die tag- und nachtaktiven Wildschweine leben bevorzugt in Laub- und Mischwäldern mit Sümpfen und in Schilfgebieten. Zur Nahrungsaufnahme begeben sie sich gerne auf Felder. Auch dringen die Tiere von Zeit zu Zeit in den städtischen Lebensraum vor. Das Schwarzwild nutzt die stadtnahen Wälder als Ausgangsbasis und wühlt im Müll und den Abfällen der Vorstädte nach Fressbarem.

Paarung ab November

Im November beginnt bei den Wildschweinen die Paarungszeit (Rauschzeit), die bis zum Februar andauern kann. Dann finden auch die Hierarchiekämpfe der Keiler um die heftig umworbenen Bachen statt. Die männlichen Wildschweine scharren dabei mit den Hinterbeinen, verspritzen Urin und wetzen ihre Kiefer, um den Gegner einzuschüchtern. Hilft dies alles nichts, kommt es zum echten Kampf, bei dem die Tiere ihre kräftigen, dreikantigen Unterkiefereckzähne einsetzen, um mit seitwärts und aufwärts gerichteten Hieben den Konkurrenten zu treffen und zu verletzen. Ein solcher Kampf endet zumeist mit der Flucht des Schwächeren.

Von März bis Mai bringt die Bache nach 114 bis 118 Tagen Tragzeit im Durchschnitt vier bis acht Frischlinge im so genannten Wurfkessel, einem Nest aus dürrem Gras, Farnkraut und Zweigen, zur Welt. Lebt das Muttertier in einer Rotte, trennt es sich solange von der Gemeinschaft, bis die Jungen groß genug sind sich in die Gruppe zu integrieren.

Danach leben die Bachen mit den Jungtieren zusammen in Rotten von bis zu 50 Tieren. Geführt wird die Gruppe vom ältesten Weibchen. Mit eineinhalb Jahren müssen die männlichen Nachkommen die Rotte verlassen und leben ab dann als Einzelgänger.

Wildschweine, die über 20 Jahre alt wurden, sind belegt.