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  • Naturlexikon

Weißstorch (Ciconia ciconia)

Weißstorch im Flug
Weißstorch im Flug
© Johan Wieland | Quelle | Lizenz

Der Weißstorch gehört zur Klasse der Vögel, genauer zur Ordnung der Schreitvögel. Schreitvögel zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie durch das Gelände schreiten und hier nach Nahrung suchen. In den Flug begeben sie sich nur für distanzreiche Ortswechsel, zum Erreichen der hoch gelegenen Nester oder beispielsweise wenn Gefahr droht und sie schnell die Flucht ergreifen müssen. Der Storch ist zum Stellvertreter dieser Ordnung geworden, weswegen die Ordnung neben dem Namen Stelzvögel auch den Namen Storchenvögel trägt.

Ein stehender Weißstorch ist circa 80 cm groß und hat eine Flügelspannweite von bis zu 2 Metern. Er zählt somit zu den größten Landvögeln. Das Gewicht schwankt von 2,5 bis 4,5 kg. Männchen und Weibchen kann man äußerlich fast nicht unterscheiden, manchmal sind Weibchen etwas kleiner und leichter. Gemein haben sie daher den roten Schnabel, der bis zu 20 cm lang werden kann. Die langen Beine haben beinahe die selbe Farbe wie der Schnabel und enden in vier Zehen. Von den Zehen sind nur drei durch Häute verbunden, welche vor allem das Einsinken in nassem und schlammigem Untergrund verhindern, wenn der Storch auf Nahrungssuche voranschreitet und dabei mit seinem langen Schnabel nach Nahrung sucht.

Vor der Paarung im Frühling muss das Männchen zunächst um das Weibchen werben. Wie es sich für einen Schreitvogel gehört, tut er dies mit einem Schreittanz unterstützt durch lautes Schnabelklappern. Durch das auffällige Schnabelklappern kam es auch zum Spitznamen Klapperstorch.
Die großen Storchennester (Horste) werden bevorzugt in großer Höhe gebaut, auf Baumstämmen, Felsen und, bedingt durch die Bebauung durch den Menschen, auch auf Schornsteinen, Kirchtürmen und ähnlichem.

Hat ein Storch erfolgreich um ein Weibchen geworben und ein gemeinsames Nest gegründet, so kehrt das Paar während der Paarungssaison immer wieder an denselben Horst zurück. Ein Weibchen legt pro Saison drei bis fünf Eier in das Nest, welche gemeinsam ausgebrütet werden. Ab August schlüpfen die Jungen und werden im Anschluss noch ca. drei Monate von ihren Eltern gefüttert. Storchenmännchen und -weibchen brechen getrennt in ihre Winterquartiere auf, bis sie sich zur Paarung wieder treffen. Gleichzeitig starten auch die Jungen, getrennt von ihren Eltern, in Richtung ihres ersten Winterquartiers, wo sie bis zur Geschlechtsreife mit drei bis fünf Jahren bleiben und erst dann zurückkehren, um sich einen Partner zu suchen.

Der Weißstorch war und ist im Sommer (als Brutvogel) in ganz Mitteleuropa, mit Ausnahme der britischen Inseln und Teilen Skandinaviens, heimisch. Die Winterquartiere der Weißstörche liegen eigentlich in Süd- und Ostafrika. Inzwischen gibt es aber auch Störche, die nicht mehr den Weg über die Sahara fliegen, sondern in Nordafrika oder in wärmeren Gebieten Europas zum Überwintern bleiben. Gründe sind beispielsweise neue Nahrungsquellen wie Müllhalden, die auch im Winter in Europa genügend Nahrung bieten.

Auch in Deutschland überwintern Störche. Die Gründe sind allerdings nicht abschließend geklärt. Man geht davon aus, dass verletzte Tiere, die zu spät wieder gesund werden, nicht mehr in der Lage sind in den Süden zu fliegen, da sie den Abflug verpassen. Dies kann allerdings auch gesunden Tieren passieren. Ist das Wetter im Herbst irgendwann zu schlecht und die nötigen Aufwinde fehlen, ist ein Abflug für die Störche nicht mehr möglich.

Der Weißstorch ist nach wie vor bedroht. Der natürliche Lebensraum der Weißstörche in Europa wurde durch Landwirtschaft, Flurbereinigung und Bebauung beträchtlich eingeschränkt. Gewässerreiche Gebiete wurden und werden trockengelegt und der Einsatz von giftigen Pestiziden bedroht die Tiere und deren Nahrung. Hinzu kam eine Dürreperiode in der Sahelzone, einem der wichtigsten Winterquartiere der Weißstörche, welche viele Forscher für einen Rückgang der Storchenpopulation, insbesondere in den 1980er-Jahren, verantwortlich machten.
Dieser Rückgang war auch in Bayern deutlich messbar. Um 1900 gab es in Bayern ca. 250 Storchenpaare.

In den 1980ern ging der Bestand auf 50 - 60 Paare zurück. Unterstützt von einem Artenerhaltungsprogramm, welches in den 1980ern gestartet wurde, wurden wieder Biotope angelegt und Flussauen renaturiert, welche zuvor bebaut und somit trocken gelegt wurden. Es zeichnet sich seitdem zwar wieder ein positiver Trend ab, mit Rekorden von ca. 400 gesichteten Storchenpaaren, die ansteigende Population lässt sich jedoch vor allem durch den Zuzug von Vögeln aus anderen Regionen erklären, die sich hier niederlassen.

Die Störche sind allerdings weiterhin durch intensive Landwirtschaft, Pestizide und Flächenbebauung in Gefahr. In Bayern findet man Weißstörche nun wieder in flussreichen Gebieten beispielsweise entlang der Donau oder in Feuchtgebieten von Ober- und Niederbayern, ebenso in der Oberpfalz und in Franken.