Gräser & Moose
Gräser
Bei den Gräsern unterscheidet man zwischen Süß-und Sauergräsern.
Während die Sauergräser, auch Riedgrasgewächse genannt, zumeist dreikantige, markhaltige Stängel ohne auffällige Knoten besitzen und zum Großteil den Wasserpflanzen zugerechnet werden können, dienen die fast sämtlich rund- und hohlhalmigen, knotenbesetzten Süßgräser vielen Tieren, vor allen den Wiederkäuern, als Nahrungsgrundlage. Auch gehören alle vom Menschen kultivierten Getreidearten zu den Süßgräsern.
Erstmalig traten die Gräser vor schätzungsweise 100 Millionen Jahren in der Erdgeschichte auf und veränderten das Aussehen unseres Planeten nachhaltig. Anhand der Blüten, Blätter, Halme, Triebe und ihrer verschiedenen Standorte lassen sich die einzelnen Gräser gut voneinander abgrenzen.
Moose
Seit etwa 400 bis 450 Millionen Jahren existieren Moose auf der Erde. Vermutlich aus im Wasser lebenden Algen hervorgegangen, stellen sie die älteste an Land lebende Pflanzengattung dar. Moose unterteilen sich in die drei Hauptabteilungen Laubmoose (zu ihnen zählen auch die Torfmoose), Lebermoose und Hornmoose, wobei diese drei Abstammungslinien untereinander kein natürliches Verwandtschaftsverhältnis haben. Zurzeit sind über 15.000 Moosarten bekannt. Da Moose sehr niedrig und langsam wachsen, besiedeln sie gerne Standorte, an denen wenig Konkurrenz durch höhere Pflanzen herrscht. Moose sind sehr anpassungsfähig und kommen in nahezu allen Lebensräumen vor. Ohne Moose gäbe es das Ökosystem Moor nicht, aber auch in Karstgebieten, in den Lebensräumen Tundra und Polargebiet, in Sand- und Geröllwüsten oder in Regen- und Nebelwäldern sind Moose zu finden.
Laubmoose
Laubmoose haben blattartige Organe, ihr Aufbau mit Stängel, kleinen Ästchen und Blättern erinnert entfernt an kleine Bäumchen. Bei genauerer Betrachtung unterscheiden sich nicht nur die einzelnen Moosarten in Wuchs, Farbe und Blattform, auch ein und dieselbe Moosart kann in Abhängigkeit von Untergrund und Lichtverhältnissen sehr unterschiedlich aussehen. So erscheinen die meisten Laubmoose an sonnigen Standorten dunkelgrün, während sie an schattigeren Stellen eine hellgrüne Färbung haben. Das Alpen-Birnmoos trägt in dunkleren Lebensräumen eine grüne Färbung, während es an Orten mit viel Sonne rot ist. An hellen Standorten soll möglichst viel Sonnenlicht reflektiert, an dunkleren absorbiert werden. Es gibt weltweit rund 10.000 Arten von Laubmoosen.
Torfmoose (Sphagnum)
Torfmoose sind eine Unterklasse der Laubmoose. Ihr Lebensraum sind Moore, insbesondere Hochmoore. Torfmoose bilden im Moor einen Moosteppich, der das abgestorbene und am Grund des Moores liegende Pflanzenmaterial luftdicht abschließt und durch sein Gewicht zusammendrückt. Unter diesen Bedingungen zersetzt sich abgestorbenes organisches Material nicht vollständig, was letztlich zur Bildung von Torf führt. Gleichzeitig wird das Moor immer saurer, da sich das Torfmoos durch die im Regenwasser enthaltenen Nährstoffe ernährt. Die Ansiedlung anderer Pflanzen wird somit verhindert. Niedermoore sind im Gegensatz dazu meist nährstoffreicher und weniger sauer, weshalb hier Moose mit anderen Pflanzen bis hin zu Erlen und Weiden konkurrieren. Torfmoose werden selbst bei nur kurzfristiger Austrocknung bereits geschädigt.
Lebermoose
Lebermoose verdanken ihren Namen angeblich der Ähnlichkeit einiger Arten mit einer Leber, weshalb sie im Mittelalter gemäß der Signaturenlehre, nach welcher Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden soll, als Arznei gegen Leberbeschwerden Verwendung fanden. Es gibt thallose (blattlose) und foliose (beblätterte) Lebermoose. Die thallosen Lebermoose bestehen aus Verzweigungen unterschiedlicher Form. Die komplette Struktur an Verzweigungen wird als Thallus bezeichnet. Die Formen reichen bei den unterschiedlichen Moosarten von glatt und gleichmäßig bis zu gewellt, gekräuselt oder blattartig. Die foliosen Lebermoose besitzen Blätter, auch wenn diese aufgrund der fehlenden Blattrippe kein Leitgewebe besitzen. Bei den Lebermoosen fließt das Wasser von einer Zelle in die nächste. Die Blätter folioser Lebermoose machen einen fleischigen Eindruck und ähneln in ihrem Erscheinungsbild Fischschuppen. Weltweit existieren etwa 4500 Lebermoosarten.
Hornmoose
Namensgebend für das Hornmoos sind dessen Sporophyten, also die Sporenkapseln, welche die Sporen produzieren und enthalten. Diese Sporophyten stehen, sobald die Sporen abgegeben werden sollen, wie kleine Hörner aus dem Moos hervor. Wie die thallosen Lebermoose verfügen auch die Hornmoose weder über Stämmchen noch Blättchen, sie bestehen aus kleinen und flachen, an den Rändern gelappten Thalli. Anders als Laub- und Lebermoose können die Hornmoose über winzige Spalten an der Oberfläche des Pflanzenkörpers Wasser aufnehmen und ausscheiden. Die recht urtümlichen Hornmoose verweisen mit ihrem einfachen Aufbau auf eine mögliche Abstammung von Grünalgen, sind aber dennoch unter den Moosgruppen die nächsten Verwandten der Gefäßpflanzen und daher am fortschrittlichsten entwickelt. Sie stellen mit weltweit lediglich circa 400 Arten die kleinste Gruppe unter den Moosen.
Die wunderbare Welt der Moose
Im Gegensatz zu höheren Pflanzen verfügen Moose weder über ein Stütz- und Leitgewebe noch über echte Wurzeln. Ihre Vermehrung erfolgt einerseits mittels Sporen, welche in Mooskapseln heranreifen und je nach Moosart mit dem Wind, durch Wasser oder durch Tiere, wie Enten oder Insekten, verbreitet werden. Wichtiger ist bei den Moosen aber die vegetative Vermehrung, bei der aus allen Teilen der Pflanze Ableger gebildet werden können. Darüber hinaus besitzen Moose einige erstaunliche Fähigkeiten. Eine Gruppe von Moosen, die Xerophyten (zumeist Moose, die auf Felsen oder Bäumen siedeln), ist in der Lage, selbst mehrere Jahre vollständiger Austrocknung zu überleben und bei Wiederbefeuchtung zu neuem Leben zu erwachen. Diese Gruppe von Moosen überlebt in ausgetrocknetem Zustand sogar das Einfrieren in flüssigem Stickstoff bei -196°C. Nachdem es 1500 Jahre in der Antarktis eingefroren war, begann das Laubmoos Chorisodontium aciphyllum unter optimalen Bedingungen nach ein paar Wochen wieder zu wachsen. Auch extrem hohe Temperaturen von +110°C und mehr können einige Moosarten getrocknet kurzfristig überstehen. Eine weitere ihrer erstaunlichen Fähigkeiten besteht darin, große Mengen an Wasser speichern zu können. Einige Moosarten können das dreißigfache ihres Trockengewichts aufnehmen. Moose sind wechselfeuchte Pflanzen, und da bei den meisten Arten die Cuticula, also eine Wachsschicht zum Schutz gegen Austrocknung, fehlt, sind sie nur in begrenztem Maß fähig, sowohl ihren Wasserhaushalt als auch die Aufnahme von Nährstoffen und anderen Elementen kontrolliert zu regeln. Daher finden sich in Moosen nicht nur die lebensnotwendigen Elemente Kalium, Kalzium, Magnesium, Schwefel, Stickstoff und Phosphor, sondern auch Umweltgifte und Metalle wie Niob und Scandium.
Moose und Menschen
Moose werden seit Urzeiten von Menschen für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt. In Form von Torf wurden und werden Moose als Brennmaterial und Pflanzenerde eingesetzt. Zur Stromgewinnung werden in Rußland, Finnland und Irland Kraftwerke mit Torf befeuert. Moose dienten zur Abdichtung von Holzhäusern, Holzbooten und Kaminöfen, als Füllmaterial in Kissen und Matratzen, zur Auspolsterung von Särgen, zum Schutz beim Transport zerbrechlicher Ware, beim Modell- und Krippenbau zur Darstellung von Büschen oder zur Dekoration in Floristik und Aquaristik. Die Römer verwendeten Moose im kalten Norden Englands zur Isolierung unter Holzfußböden. Die Fähigkeit der Moose, große Mengen Flüssigkeit aufnehmen zu können sowie ihre antimikrobielle Wirkung (insbesondere bei Lebermoosen) machte man sich in der Volks- und Naturmedizin in Salben zu Nutze, in der Traditionellen Chinesischen Medizin werden rund 40 Arten gegen Verbrennungen, Ekzeme, Angina und Bronchitis eingesetzt. Im 1. Weltkrieg fertigte man aus Moosen Wundkompressen, aber auch Windeln, Damenbinden und Toilettenpapier wurden aus Moosen hergestellt. Bis ins 17. Jahrhundert deponierten Heiler Totenschädel an feuchten Orten, damit sich auf ihnen Moos bildet. Diesem Moos wurden dann Zauberkräfte zugeschrieben und es fand Verwendung zur Blutstillung und Reinigung von Wunden.
Moose als Bioindikatoren und Biopharmazeutika
Relativ neu ist die Verwendung von Moosen als Bioindikatoren. Sie reagieren schnell auf Wasser- und Luftverschmutzungen, insbesondere Schwefeldioxid, und verschwinden aus belasteten Lebensräumen. Moose nehmen Schwermetalle und Radionukleide auf und zeigen dadurch Umweltbelastungen an. Ihr kurzer Lebenszyklus sowie ihre rasche Verbreitung über Sporen ermöglichen Moosen ein schnelles Reagieren auf Klimaveränderungen, so daß ihre Ausbreitung in neue Lebensräume als Indikator für Klimaveränderungen dient. Beispielsweise haben zwischen 1985 und 1999 die tendenziell milderen Winter in Mitteleuropa dafür gesorgt, dass sich 32 Moosarten aus wärmeren Gebieten hier ansiedeln konnten. Auch in der Biotechnologie kommen Moose zum Einsatz. Aus einigen Arten werden mittels Moosbioreaktoren Biopharmazeutika hergestellt, die bei bestimmten Nieren- und Augenerkrankungen zum Einsatz kommen.
Lebensraumzerstörung gefährdet Moose
Die größte Gefahr für Moose stellt die Zerstörung ihres Lebensraums dar, vor allem durch intensive Land- und Forstwirtschaft. Das Verschwinden von Stoppeläckern, das Entfernen von Totholz aus den Wäldern, Trockenlegungen und Verbauungen von Gewässern und Feuchtgebieten, die Absenkung des Grundwasserspiegels sowie Luft- und Wasserverschmutzungen setzen den Moosen zu. So gibt es in Deutschland 1121 Moosarten, von denen 54 als ausgestorben, 28 als vom Aussterben bedroht, 104 als stark gefährdet und 203 als gefährhdet eingestuft sind. In Deutschland schützt die Bundesartenschutzverordnung alle Arten der Gattungen Hylocomium, Leucobryum und Sphagnum. Ansonsten erfolgt der Schutz von Moosen zumeist über die Ausweisung von Schutzgebieten im Zuge der FFH-Richtlinien der EU.
