Murnauer Moos

Lage
Das Murnauer Moos liegt am Alpenrand zwischen den Gemeinden Murnau, Eschenlohe und Grafenaschau im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Es ist mit einer Fläche von 42 Quadrat- kilometern das größte naturnah erhaltene Moor in Mitteleuropa.

Entstehung
Am Ende der letzten Eiszeit vor 15.000 bis 10.000 Jahren zogen sich die Alpengletscher langsam zurück. Dabei entstanden im Zungenbecken des einstmals weit über das Gebiet des heutigen Ammersees hinausreichenden Loisachgletschers der Ammersee, der Staffelsee und der Murnauer See. Südlich des Staffelsees bildete sich ein Molasserücken, der den Staffelsee vom Murnauer See trennte. Als das abfließende Gletscherschmelzwasser nachließ und über diesen aus Sedimentgestein bestehenden Molasserücken nicht mehr in den Staffelsee abfließen konnte, floß es in Richtung Osten in das heutige Loisachbett. Zwischen den Alpen und besagtem Molasserücken gelegen, begann der Murnauer See durch die Ablagerung von Sedimenten und ausgeschwemmten Tonmineralen zu verlanden und es bildete sich im Laufe der Jahrtausende ein Moor. Aus dem Murnauer See wurde das Murnauer Moos.

Beschreibung
Das Murnauer Moos ist nicht einfach nur ein Moor, sondern es besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume. Es existieren hier Waldgebiete auf Sandsteinkuppen, Streuwiesen, Quelltrichter, Altwasser und verschiedene Moorarten vom Niedermoor über das Übergangsmoor bis zum Hochmoor. Die Hochmoore machen etwa 10% der Fläche des Murnauer Mooses aus, wobei die Torfschichten eine Mächtigkeit von bis zu 25 Meter erreichen. Besonders prägnant sind einige mit Wald bestandene Felskuppen, die Köchel. Sie bestehen aus Glaukoquarzit, einem harten Sandstein, und wurden in der Kreidezeit gebildet. Auf den erhalten gebliebenen Köcheln hat sich weitgehend vom Menschen ungestört ein Waldökosystem erhalten, das andernorts nicht mehr zu finden ist. Einige Köchel wurden hingegen zur Gewinnung von Schotter für den Bau von Straßen und Gleisbetten bergmännisch abgebaut. Im Murnauer Moos fließen etlich Bäche, wobei Ramsach und Lindenbach die beiden größten sind. Der Lindenbach fließt in die Ramsach, diese mündet schließlich in die Loisach.

Flora
Das Murnauer Moos ist aufgrund seiner sehr unterschiedlichen Naturräume ein äußerst artenreiches Gebiet. Sowohl die verschiedenen Moore als auch insbesondere die landwirtschaftlich extensiv genutzten Streuwiesen dienen insgesamt 946 Pflanzenarten als Lebensraum, von denen 164 auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Zu nennen sind hier u.a. der fleischfressende Sonnentau, Herbst-Drehwurz, Wanzen-Knabenkraut, Glanzorchis, Sibirische Schwertlilie, Karlszepter, Torfsegge, Zierliches Wollgras, Moorbinse, Buchsbaumsegge, Braune Schnabelbinse, Moorsteinbrech, Heidelbeerweide und Strauchbirke.

Fauna
Nicht nur für Pflanzen, auch für etwa 1800 Tierarten stellt das Murnauer Moos einen idealen Lebensraum dar. Es leben hier beispielsweise Zwergtaucher, Großer Brachvogel, Wachtelkönig, Feldlerche, Braunkehlchen, Wiesenpieper, Baumpieper, Waldohreule, Mäusebussard, Turmfalke, Baumfalke, Rohrschwirl, Feldschwirl, Kiebitz, Krickente, Tüpfelsumpfhuhn, Wasserralle, Teichrohrsänger, Bekassine und Raubwürger. Aber nicht nur Vögel, sondern auch Reptilien und Amphiebien wie Laubfrosch, Gelbbauchunke, Grasfrosch, Erdkröte, Ringelnatter, Kreuzotter, Zauneidechse und Bergeidechse fühlen sich hier wohl.

Nutzung
Das Murnauer Moos bietet nicht nur seltenen Tieren und Pflanzen einen Rückzugsraum. Auch Besucherinnen und Besucher können auf einem Rundweg, der auf Holzbohlen durch das Moor führt, seine Schönheit genießen. Bereits Wassily Kandinsky kam zum Malen ins Murnauer Moos, und bis heute zieht das Murnauer Moos mit seinen Erdtönen vor Alpenpanorama Maler an. Auf den Streuwiesen, auf denen die Bauern der Umgebung seit alters her Heu als Einstreu in den Ställen gewinnen, bildeten sich durch die extensive Landwirtschaft Feuchtwiesen mit einer großen Artenvielfalt. In früheren Zeiten diente das Murnauer Moos auch als Viehweide. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann der Torfabbau in industriellem Maßstab. Seitdem das Murnauer Moos 1980 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, endete das Torfstechen. Mit dem Ende der juristischen Auseinandersetzungen um den Bergbau fand auch dieses Kapitel im Jahr 2000 seinen endgültigen Abschluß.

Schutz und Bedrohung
Bereits 1939 konnten die beiden Naturschützer Ingeborg Haeckel und Max Dingler den Stopp des 70 Jahre andauernden Sandsteinabbaus im Murnauer Moos erreichen. Auch wenn sich die juristischen Auseinandersetzungen mit dem Hartsteinwerk Werdenfels noch über Jahrzehnte hinziehen sollten, konnte sich der Natur- und Landschaftsschutz schließlich gegen die wirtschaftlichen Interessen der Bergbauindustrie durchsetzen. Somit war „nur“ der vollständige Verlust des kleinen Moosbergs 1938 sowie die Sprengung und Abtragung von ca. einem Drittel des Langen Köchels zu verkraften. Schwer und dauerhaft geschädigt wurde das Murnauer Moos in den 1970er Jahren auch durch den Bau der Autobahn A95 durch den östlichen Teil und die infolge der Flurbereinigung erfolgte Entwässerung. Seit 1980 ist das Murnauer Moos ein Naturschutzgebiet. Um ihm die Chance zu geben, sich soweit wie möglich zu regenerieren und auf natürliche Weise zu entwickeln, wurden zwischen 1992 und 2003 im Zuge des größten Naturschutzprojekts in Deutschland rund 15 Millionen Euro für Flächenankauf und Pflegemaßnahmen investiert. Den Großteil des Geldes, etwa 75%, stellte das Bundesamt für Naturschutz zur Verfügung, da das Murnauer Moos als Naturraum von gesamtstaatlicher Bedeutung eingeordnet wurde. Naturschutz im Murnauer Moos bedeutet, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen extensiver Nutzung, vom Menschen nicht beeinflußter natürlicher Abläufe und Verhinderung von Verbuschung und Bewaldung zu erreichen. Moore speichern pro Hektar bis zu 700 Tonnen Kohlendioxid. Das ist sechsmal soviel CO2 als bei einem Hektar Wald. Sie spielen daher eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel.